Am Silvestertag früh morgens erreichten wir Port Moresby, die Hauptstadt von Papua Neuguinea. Jedoch war es gar nicht so einfach in den Hafen zu kommen. Wie bei allen Häfen braucht man auch hier einen Lotsen, der aber nicht kam. Wir versuchten den Lotsen und den Hafen über mehrere Stunden zu erreichen. Mittlerweile waren mehrere Schiffe neben uns angekommen die dasselbe versuchten. Niemand antworte, bis etwa 10:30 Uhr endlich ein Kontakt zum Lotsen möglich war. (Unser bestätigter Termin war übrigens 6:00 Uhr.) Der Lotse meinte, wir sollen doch schon mal in Richtung Hafen fahren. Normalerweise müssen wir an bestimmten Punkten die Lotsen an Bord nehmen aber nicht in diesem Land. Der Kapitän musste durch die enge Hafeneinfahrt allein fahren. Links und rechts von uns waren gefährliche Riffe und er hat dabei ganz schön geschwitzt. Kurz vor dem Anlegen kam Kollege Lotse an Bord, der noch nicht einmal mit einem Funkgerät ausgestatte war. Er musste sich eins von uns leihen.
So fing der Tag schon vielversprechend an. Jedoch sah die Stadt vom Schiff aus sehr gut aus. Neue saubere Gebäude und es gab sogar einen Stadtstrand. Klar das ist ja auch die Hauptstadt, hier muss es anders sein. Nachdem wir angelegt hatten und alle Formalien erledigt waren konnten wir an Land gehen. Eine Gruppe mutiger Seeleute versammelte sich um mich herum, um das Abenteuer Port Moresby mit mir zu erleben. Allein wäre ich nicht an Land gegangen, das ist auch hier viel zu gefährlich.
Die ersten Schritte in der Stadt waren schon etwas komisch. Auf einmal versammelte sich eine Gruppe von Leuten um uns herum, die ein freundliches Gespräch mit uns anfingen. Es war besser nicht darauf einzugehen und deshalb gingen wir etwas schneller und schließlich ließen uns unsere Begleiter in Ruhe. Nach ungefähr 10 Minuten Fußmarsch waren wir schon im Zentrum von Port Moresby. Mir ist gleich aufgefallen, dass alle Geschäfte vergittert waren und ein bis zwei Sicherheitsleute standen davor. Geschäfte wie man es sich in einem Zentrum einer Hauptstadt vorstellt gibt es hier nicht. Hauptsächlich gibt es hier Banken, ein kleines Shoppingcenter und ein paar Handyläden. Die meisten waren auch schon geschlossen, nur ein Supermarkt im Shoppingcenter war noch offen. Wir dachten das kann doch nicht alles sein und gingen weiter auf die Suche. Ratlos standen wir an einer Ecke und suchten nach weiteren Einkaufsmöglichkeiten, als ein freundlicher Polizist auf uns zukam. Er bestätigte uns, dass es keine weiteren Einkaufsmöglichkeiten gibt. Bewaffnet mit einem Stock begleitet uns der Polizist von nun an. Seine Uniform sah schon etwas mitgenommen aus und an manchen Stellen geflickt. Stolz lief er vor uns her und schimpfte manche Leute aus die uns zu nahe kamen. Manchmal gab es auch ein paar Hiebe mit dem Stock. So führte er uns zu dem Supermarkt im Einkaufcentrum zurück. Da wir kein Geld tauschen konnten, und somit nicht einkaufen konnten, entschlossen wir uns zum Schiff zurück zu gehen. So bedankten wir uns bei unserem Beschützer und machten uns schnell auf den Rückweg. Irgendwie war es auf den Straßen unheimlich, überall saßen die Leute rum und aßen Betelnüsse. Eine Frucht die in Asien wächst, sie unterdrückt den Hunger und hat eine berauschende Wirkung. Manche Leute versuchten mit uns ein Gespräch anzufangen und gaben uns freundlich ihre Hand. Das alles passt nicht zusammen und es war besser schnell wieder in den sicheren Hafen zu gehen. Schließlich waren froh als wir wieder auf dem Schiff angekommen sind. Alle hatten schon ein wenig Angst in der Stadt.
Eine Kamera hatten wir nicht dabei, denn Niemand hatte den Mut eine mitzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls ist in dieser Stadt doch sehr groß. So gingen wir nur mit ein paar wenigen US Dollar los. Hier ein paar Bilder von der Stadt, die ich vom Schiff aus gemacht habe.
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| Blick vom Hafen in die Innenstadt |
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| Blick vom Hafen in die Innenstadt |
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| Hier wohnen die wenigen Reichen |
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| eine etwas andere Wohnsiedlung |
Am Abend feierten wir eine ausgelassene Silvesterparty. Diesmal aber im Schiff, denn wir wollten mit unserem Gesang keine ungebetenen Gäste an loggen. Gegen Mitternacht bin ich dann raus gegangen um mir das Feuerwerk in der Hauptstadt von Papua Neuguinea anzusehen. Ich sah eine einzige Rakete aufsteigen, das passte wiederum in das Gesamtbild dieses Landes.
Der erste Januar war verregnet und für die Region ziemlich kalt. Es kam mir vor als wäre es ein verregneter Herbsttag in Deutschland. Ebenso war die Stimmung an Bord, alle wollten nur noch raus aus diesem Hafen. Gegen 18:00 Uhr war es dann auch so weit, das Schiff war fertig beladen. Jedoch stellte der Agent fest, dass die Hafenarbeiter versehendlich falsche Ladung geladen hatten. So mussten die Luken wieder geöffnet werden und das Spiel begann von neuen. Vier Stunden später war es dann wirklich so weit. Alle hier an Bord freuten sich, jetzt wieder in Richtung Asien zu fahren.
Ich bin ein wenig überrascht und enttäuscht von Papua Neuguinea. Es ist zwar kein Geheimnis, dass in diesem Land die Kriminalität so hoch ist aber das es so extrem ist hätte ich nicht gedacht. Ein so reiches und schönes Land aber gleichzeitig völlig heruntergekommen. Das Land ist voller Bodenschätze, vor allem Gold aber die Bevölkerung hat nichts. Diesen Reichtum scheffeln andere reiche Länder für wenig Geld ab. Die reichen Länder geben den Leuten zum Schein ein wenig Geld und nehmen dafür das 1000 fache an Bodenschätzen zurück. Papua Neuguinea ist zwar seit 20 Jahren ein unabhängiges Land aber wie ich glaube nur auf dem Papier. Ich hoffe, dass irgendwann die Menschen in diesem Land erkennen was mit ihnen gemacht wird. So können sie diese extreme Ausbeutung beenden und wirklich unabhängig werden!




Hallo Heiko, hier ist deine alte Klassenkameradin Ria. Von deiner Mutsch habe ich erfahren, wo du gerade steckst. Ich wünsche dir weiterhin viel Spass und komme Gesund und Munter wieder zu uns zurück. So eine Reise ist einfach nur genial.
AntwortenLöschenHallo Heiko,
AntwortenLöschenleider komme ich erst jetzt wieder an den Rechner... wünsche Dir ein ganz tolles Jahr 2012 und freue mich über jeden Bericht, den ich von Dir lese ;-)
Ganz liebe Grüße,
Manu
Hey Heiko
AntwortenLöschenBin aus Zufall auf deinen Blog geraten.
Ich finde es interessant diesen Blickwinkel zu sehen. Es stimmt das PM nicht der sicherste Hafen ist auf der Welt. Man muss sich den Leuten vor Ort anvertrauen, oder sich dann in einem Luxushotel oder eben Schiff einbunkern, sonst wirds tatsächlich gefährlich.
Ich bin zwei Monate durchs Land per Autostopp. Das Landesinnere solltest du unbedingt auch einmal ansehen. Die Städte sind zu meiden!!!
http://cymytrip3.over-blog.de/pages/Akte_Buangfestival_singsing-5829228.html
Na ja. Ich habe 3 Jahre im in der Sepik-Provinz (Sumpfland) und in Enga (Hochland) gelebt. Ich kannte allerdings die Sprache. Alles ist besser und anders als Port Moresby. Die Leute sind völlig normal wie bei uns auch. Von freundlichen großzügigen Menschen bis hin zu Lügnern und Dieben ist alles vorhanden. Das gilt, wie bei uns auch, sowohl im Amt als auch privat. Und aufgegessen wird da auch keiner mehr. Die sind halt nicht auf Tourismus eingestellt, werden aber Holz- und Bodenschatzmäßig gnadenlos ausgeplündert.
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