Sonntag, 28. November 2010

Meine erste Fahrt!

Nachdem ich die letzten Tage vor Abfahrt jeden Tag zum Zahnarzt musste, dort 2 Wurzelbehandlungen, eine Füllung erneuert habe und eine Zahnfleischentzündung behandelt wurden konnte es endlich los gehen. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal recht herzlich bei meiner Zahnärztin bedanken, Sie ist extra wegen mir am Samstag in ihre Praxis gekommen.

Schmerztabletten waren also das wichtigste in meinem Gepäck! Zum Glück brauchte ich keine einzige Tablette auf der Reise. So bin ich fast direkt aus der Zahnarztpraxis zum Bahnhof gefahren. Von Leipzig ging es dann mit dem Zug über Berlin nach Hamburg. In Hamburg hatte ich dann über 3 Stunden Aufenthalt, mitten in der Nacht. Das war nicht so schön, denn die Zeit wollte nicht vergehen und es wurde immer kälter. Dann ging es endlich weiter nach Kiel, wo ich gegen 5:00 Uhr ankam. Mit dem Taxi ging es dann zur Schleuse Holtenau, wo ich im Seemannsheim auf die Ankunft meines Schiffes warten sollte. 

Seemannsheim Schleuse Holtenau

An der Schleuse angekommen habe ich erfahren, dass mein Schiff erst gegen 14:00 Uhr ankommt. Meine erste Information war, dass es um 10:00 Uhr kommen sollte. Zum Glück konnte ich im Seemannsheim ein Zimmer nehmen und mich hinlegen. Schlafen konnte ich zwar nicht so gut aber wenigstens ein wenig ruhen. Es war relativ laut und ich war ziemlich aufgeregt.

Bin dann irgendwann gegen Mittag aus meinen Zimmer und habe mir Schiffe in der Schleuse angesehen. Dann endlich kam es, mein Schiff. Es war das größte Schiff, welches ich am heutigen Tage gesehen habe. Langsam und herrschaftlich fuhr die „Heinrich Ehler“ in die Schleuse. Die „Heinrich Ehler“ ist ein neues Containerschiff, Baujahr 2008 mit einer Länge von 167 Meter und Bereite von 26,80 Meter. Das Schiff kann knapp 1.500 Container transportieren. Ich stand da und habe den Mund nicht mehr zu bekommen, war überwältigt und sehr glücklich. 

Einfahrt der "Heinrich Ehler" in die Schleuse

Die "Heinrich Ehler" in der Schleuse

Jetzt durfte ich das Schiff betreten. Dort erwarteten mich ein paar Matrosen und er 3. Offizier. Er hat mich dann  in meine Kammer gebracht, wo ich erst mal warten musste. Es dauerte aber nicht lange als er mich abholte und zur Brücke führte. Dort lernte ich den 1. Ingenieur und den Kapitän kennen. Mittlerweile war das Schiff schon aus der Schleuse in den Nord-Ostsee-Kanal ausgelaufen. Ich war erneut überwältigt und fühlte mich einfach super gut. Die Strapazen der letzten Tage waren jetzt endgültig vergessen. 

Der 1. Ingenieur nahm mich gleich in seine Fittiche und erklärte mir die wichtigsten Verhaltensregeln an Bord. Danach habe ich erst mal den tollen Blick von der Brücke genossen. Die Brücke war ganz schön hoch und ich konnte weit sehen. Und es gab eine Menge zu sehen, der Kanal, die Schiffe die uns entgegen kamen und die Landschaft ringsherum. Nicht zu vergessen das Treiben auf dem Schiff. 


Blick von der Brücke auf den Kanal

Bevor ich dann meine Sachen auspacken konnte habe ich eine Sicherheitsunterweisung bekommen. Der 3. Offizier zeigte mir wo die Schwimmwesten und die Überlebensanzüge sind. Auch durfte ich mir die Rettungsboote ansehen. Jetzt wusste ich, wie ich mich im Notfall zu verhalten hätte. 

Nachdem ich dann meine Sachen ausgepackt hatte, habe ich den ersten Rundgang auf dem Schiff gemacht. Das würde jetzt für mein Zuhause für die nächsten 12 Tage sein. Erst einmal ein schräger Gedanke aber trotzdem schön! 

Irgendwie ging der Tag dann ganz schnell rum. Ich versuchte dann zu schlafen, da ich doch sehr müde war. Es war nicht leicht einzuschlafen, da das Schiff ganz schönen Lärm gemacht hat. Ich dachte, wenn das die ganze Reise so geht, dann werde ich 12 Tage und Nächte nicht schlafen. Der 1. Ingenieur beruhigte mich dann aber. Der Grund sei die langsame Fahrt des Schiffes im Kanal. Schließlich gelang es mir einzuschlafen. Ich habe dann so fest geschlafen, dass ich nicht bemerkte wie uns in der Schleuse ein Schiff hinten drauf gefahren ist. Das alles erfuhr ich am nächsten Morgen beim Frühstück. Nach dem Frühstück bin ich dann ganz schnell auf die Brücke gegangen um das weite Meer zu sehen.

Blick von der Brücke auf die Nordsee

An diesem Tag habe ich mich die meiste Zeit auf der Brücke aufgehalten. Ich konnte gar nicht genug Meer sehen. Und dann waren da noch die anderen Schiffe und Bohrinseln an denen wir laufend vorbei gefahren sind. Irgendwann in der Nacht sind wir in Zeebrugge angekommen. Ich bin erst ins Bett gegangen als das Schiff angelegt hatte. Alles wollte ich sehen! Obwohl ich wusste, dass sich das in den nächsten Tagen mehrmals wiederholt. Zum Glück wurde das Schiff in dieser Nacht nicht be- und entladen. Erst am nächsten Morgen wurde ich dann durch Lärm und Vibrationen geweckt, welche durch die Hafenarbeiten verursachten. Nach dem Frühstück habe ich mir das Treiben im Hafen von der Brücke angesehen.

Blick von der Brücke im Hafen von Zeebrugge

Das Schiff zu verlassen war in diesem Hafen nicht möglich, da wir nach dem Mittag wieder Richtung Rotterdam aufgebrochen sind. Beim Beladen hat einer der Kranfahrer unser Schiff und einen Container beschädigt. Noch ein Schaden am Schiff, soll das ein böses Ohmen sein? Nein es war einfach Pech!

Ausfahrt aus dem Hafen in Zeebrugge

Irgendwann nach dem Mittag sind wir dann Ausgelaufen. Am späten Abend wollten wir in Rotterdam ankommen. Jetzt hatte ich das Meer wieder! Ich konnte davon nicht genug bekommen, vor allem in den ersten Tagen. Vor Rotterdam mussten wir dann ankern. Der 1. Offizier hat mich für diese Manöver mit zum Bug genommen um mir alles zu zeigen. Nach ein paar Stunden ging es dann weiter. Wie wir in den Hafen eingelaufen sind, habe ich nicht mehr mitbekommen. Bin vorher eingeschlafen. Am nächsten Tag sah ich dann einen der modernsten und größten Containerhafen der Welt.

Containerhafen in Rotterdam

Die Container werden hier wie von magischer Hand zu den Verladekränen gefahren. Nur der Kran wird durch einen Menschen direkt bedient. 

In Rotterdam waren wir insgesamt 3 Tage. In dieser Zeit haben wir 6-mal den Platz gewechselt um be- und entladen zu werden. Der Hafen ist riesengroß. Allein von dem modernen Containerterminal in meeresnähe sind nochmal ca. 3 Stunden bis zum Hafen in stadtnähe gefahren. 

Im stadtnahen Hafen hatte ich dann auch die Gelegenheit an Land zu gehen. So nah war der Liegeplatz von der Innenstadt aber nicht entfernt. Ich entschloss mich mit dem Taxi zu fahren. Die Innenstadt von Rotterdam ist sehr modern, da sie im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Zum Glück war das Wetter schön und ich konnte einen ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt machen und mir viel ansehen.   

Rotterdam - im Vordergrund das Hafenmuseum

Später suchte ich mir ein schönes Restaurant um mich zu stärken. Außerdem war das eine Abwechslung zu Essen an Bord. Wobei ich sagen muss, dass das Essen auf dem Schiff gut war. Unser philippinischer Koch bereitete jeden Tag gutes deutsches Essen zu. 

Nach dem Essen habe ich dann noch einige Einkäufe für die Besatzung und mich gemacht. Dann ging es wieder zum Schiff. Ich war sehr froh als ich nach ca. 40 Minuten Taxifahrt „mein“ Schiff wiedergesehen habe.

Am nächsten Tag sind wir dann wieder in den meeresnahen Containerhafen gefahren. Dort sollten wir noch einmal be- und entladen werden bevor es wieder auf See ging.

Ein ganz Großer

Vorbei an den ganz großen Containerschiffen haben wir dann den Hafen in Richtung Finnland verlassen. Das sind also die großen Schiffe die um die Welt fahren. Sitze ich bald auf solch einem Schiff?

Über Nacht sind wir über die Nordsee in Richtung Deutschland gefahren. Durch den Nord-Ostsee-Kanal sollte es dann weiter zur Ostsee gegen. Am nächsten Morgen dann hatten wir die Einfahrt in die Elbe erreicht. Nachdem wir einige Zeit auf der Elbe gefahren sind kam die Schleuse immer näher. Bis wir endlich in die Schleuse fahren konnten mussten wir wiedermal warten.

Einfahrt in die Schleuse

Jetzt hatten wir wieder ca. 10 Stunden Kanalfahrt vor uns. Die Kanalfahrt hatte schon seinen Reitz. Vor allem die Landschaft war sehr schön anzusehen. Auch konnte ich vieles links und rechts des Kanals beobachten. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang erreichten wir gegen Mitternacht die Schleuse Holtenau in Kiel. Dort bin ich vor 6 Tagen auf das Schiff gekommen. Jetzt war es das Tor zur Ostsee.

Sonnenuntergang im Nord-Ostsee-Kanal

Nachdem wir die Schleuse verlassen haben bin ich in meine Kammer zum schlafen gegangen. Am nächsten Morgen erwachte ich dann und sah das erste Mal die Ostsee von einem Containerschiff und nicht vom Strand wie sonst immer. Nach dem Frühstück bin ich erst mal auf die Brücke um zu erfahren wo wir jetzt etwa sind. Wir waren etwa auf der Höhe der Insel Rügen, was ich dann auch im Radar sah.

Der Blick auf die Ostsee aus meiner Kammer

Die nächsten 24 Stunden werden wir jetzt auf See sein. Das ist meine längste Zeit auf See bei dieser Reise. So hatte ich eine Menge Zeit zum Lesen, Gitarre spielen und einfach so aufs Meer sehen. Der Tag auf See ging sehr schnell rum. Das Wetter war sehr schön und ich war somit viel draußen. Auch hat mir der 1. Ingenieur das Schiff weiter gezeigt. Wir haben uns die Schweröltanks in der Mitte des Schiffs angesehen und dann noch die Räumlichkeiten im Bereich des Bugs. Da ist eine Menge an Technik die ein Schiff so braucht unterbracht. 

Frei Fahrt vorraus - Blick vom Bug auf die wunderschöne Ostsee

Am nächsten Morgen konnte ich mir dann Zeit lassen mit dem Frühstück. Die finnische Küste sollten wir erst gegen Mittag erreichen. Den ganzen Vormittag habe ich auf der Brücke verbracht. Die meiste Zeit hatte ich gelesen und sonst auf Meer gesehen. Ich wollte doch die Einfahrt in den Hafen von Helsinki nicht verpassen. Dann war es soweit, die Küste Finnlands kam immer näher.

Lotse ist an Bord

Jetzt kam auch der Lotse an Bord. Das war immer ein Zeichen, dass wir in 1 bis 2 Stunden unser Ziel erreichen sollten. Langsam näherten wir uns der Küste. Ich konnte dann schnell feststellen, dass es hier ganz anders aussieht. Hier gab es viele kleine Inseln auf einen felsigen Untergrund. Ich war fasziniert, vor allem da die Sonne diese kleinen Inseln wunderschön beleuchtete. 

Küste vor Helsinki


Mir kam die Fahrt in den Hafen wie eine Ewigkeit vor. Vielleicht weil es so viel Interessantes zu sehen gab. Irgendwann erreichten wir dann doch den Hafen von Helsinki. Es ist ein ganz neuer Hafen. Früher sind die Containerschiffe noch in Stadtnähe abgefertigt wurden. Jetzt gibt es einen modernen kleinen Hafen der wunderschön zwischen den Inseln der Küste gelegen ist.

Im Vordergrung der Hafen von Helsinki

Da ich Finnland bisher noch nie besucht hatte wollte ich auf jeden Fall an Land gehen. Der 1. Ingenieur wollte mich begleiten. Er kannte im Hafen eine Frau aus der Seemannsmission, die uns die Stadt zeigen wollte. Somit hatten wir eine einheimische Fremdenführerin, die vor allem noch perfekt deutsch sprach. So wurden wir vom Schiff mit dem Auto abgeholt. Eine einzelne Fahrt mit dem Taxi nur aus dem Hafen hätte jedem von uns 20 € gekostet. Wir wurden dann zur U-Bahn Stadion gebracht, von dort aus wir dann in die Innenstadt gefahren sind. Leider waren wir so spät in Helsinki angekommen, dass uns noch wenig Zeit blieb, die Stadt im hellen zu sehen.

Helsinki

Es wurde dann ganz schnell dunkel und wir entschlossen uns unsere freundliche Begleitung zum Essen einzuladen. Ich hatte immer gehört, dass es so teuer sei in den nordischen Ländern  vor allem das Essen und Trinken. War dann aber angenehm überrascht. Nach dem Essen wurden wir bis zur U-Bahn Station begleitet, von der aus wir dann wieder Richtung Hafen gefahren sind. 

Am nächsten Mittag sind wir in Richtung Kotka ausgelaufen. Kotka ist eine kleine finnische Hafenstadt die in der Nähe der russischen Grenze liegt. Die Fahrt dort hin sollte etwa 6 Stunden dauern. Zu meiner Freude hatten wir auch ein wenig Seegang. Die Wellen waren 3 bis 4 Meter hoch, was aber unserem Schiff nichts ausgemacht hatte. Des Weiteren konnte ich sehen, ob ich Seekrank werde. Zum Glück hatte ich keinerlei Probleme. Ich bin also seetauglich?

Die Hafeneinfahrt von Kotka sah fast genau so aus wie die von Helsinki. Der Hafen war im Vergleich zu den bisher bereisten der Kleinste. Er lag ziemlich weit weg von der Stadt und deshalb entschloss ich mich an Bord zu bleiben. Am Abend habe ich einen kleinen Spaziergang im Hafen unternommen. Es war ein wunderschöner Sonnenuntergang an diesem Abend. 

Hafen von Kotka bei Sonnenuntergang

Unser Schiff


Nach einer ruhigen Nacht wurden am Morgen noch einige Container auf unser Schiff geladen. Dann legten wir in Richtung Nord-Ostsee-Kanal ab. Ich sah das Ende meiner Reise immer näher kommen. Das machte mich sehr traurig. Aber immerhin waren es noch fast eineinhalb Tage bis ich das Schiff verlassen müsste. Der restliche Tag verging wie im Flug. Irgendwann waren wir wieder auf der Ostsee unterwegs.

Blick auf die Ostsee von der Brücke

Am nächsten Tag den wir komplett auf See waren gab es viel Zeit. Der Morgen war nicht so toll vom Wetter aber zum Glück wurde es gegen Mittag richtig gut. Ich verbrachte viel Zeit draußen, speziell am Bug des Schiffes. Hier genoss ich noch mal die Schönheit und die Weite es Meeres und träumte von meiner Weltreise. Der Tag ging sehr schnell herum und irgendwann musste ich schweren Herzens meine Sachen packen.

Der letzte Sonnenuntergang an Bord

Dann ging alles ganz schnell. Das Schiff hat gegen 3:00 Uhr den Lotsen für die Schleuseneinfahrt aufgenommen und war gegen 4:00 Uhr an der Schleuse in Kiel. Ich verabschiedete mich von allen und ging mit schweren Herzen von Bord!
Meine sieben Sachen!

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen an Bord für die Gastfreundschaft bedanken, vor allem beim 1. Ingenieur. Ich freue mich ihn bald wieder zu sehen!

Von der Schleuse ging es wieder mit dem Taxi zum Bahnhof. Dann in den Zug nach Hamburg und weiter nach Leipzig.

Diese Reise hat mir gezeigt, dass ich meine Pläne einer Weltreise unbedingt verwirklichen soll. Ich hatte viel Zeit über alles nachzudenken. So entschloss ich mich meinen Traum zu verwirklichen mit allen Konsequenzen für mich.  

1 Kommentar:

  1. Moin Heiko,
    freue mich das Dir die Reise mit der
    MV Heinrich Ehler gefallen hat.
    Du warst ein sehr angenehmer Passagier.
    Drücke Dir die Daumen für die Weltriese.
    Gruß Walter

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