Dienstag, 30. November 2010

Wichtiger Tag für meine Reise

Ich kann gar nicht sagen über was ich mich mehr freuen soll! 

Heute war in Leipzig eine Patienteninformationsveranstaltung zum Thema „Neuroendokrine Tumore“. Meine behandelte Onkologin hatte mich gebeten ein paar Worte über meinen Krankheitsverlauf und meine Therapien zu sagen.  Im Publikum waren hauptsächlich Patienten, deren Angehörigen und Mediziner. Ich finde es gut anderen Betroffenen über meine Erfahrungen zu erzählen, ihnen vielleicht etwas Hoffnung und Mut zu machen.

Für mich war das schönste heute, dass meine Onkologin heute meiner Weltreise zugestimmt hat. Und das nein derzeitiger Gesundheitszustand so stabil ist, dass keinerlei Therapien erforderlich sind. Sind das nicht zwei tolle Nachrichten?

Jetzt steht meiner Buchung nichts mehr im Weg. Werde heute Abend noch eine E-Mail an die Agentur mit meiner neuen Reiseroute schicken.  Ich hoffe, dass ich dann in den nächsten Tagen schon die erste Fahrt buchen kann.

Sonntag, 28. November 2010

Sehr traurige Nachricht

Gestern habe ich eine e-Mail von meiner guten Freundin aus Brasilien bekommen. Ihr Vater ist im letzten Monat verstorben. Das hat mich sehr getroffen. Ich mochte ihn sehr. Damals als ich öfters in Brasilien war haben wir viel zusammen unternommen. 

Noch in den letzten Tagen habe ich an ihn gedacht. Ich könnte wieder viel Zeit mit ihm verbringen bei meinem längeren Aufenthalt in Brasilien, während der Weltreise. Er war so lustig, hatte immer einen Scherz auf den Lippen. 

Ich hatte meine Brasilianer letztes Jahr in Paris getroffen, auch ihn. Davor hatten wir uns über 9 Jahre nicht gesehen. Außer meine Freundin die hatte mich zwischendurch mal in München besucht.

Ich bin sehr traurig!

Meine alternativen Routen

Ich hatte jetzt zwei große Aufgaben, eine neue Route zu finden und meine Ärzte zu besuchen. Termine bei den Ärzten waren schnell gemacht, im Gegensatz zu den Internetrecherchen. Ich fand heraus, dass es gar nicht so einfach ist meine Wünsche alle unter einen Hut zu bekommen.

Schnell wurde mir klar, dass ich einige Abstriche machen müsste. Alle Kontinente zu besuchen ist in den 8 Monaten nicht drin. So entschied ich mich, Südamerika von meiner Route zu streichen. Ich war vor einigen Jahren öfters in Brasilien und habe diesen Kontinent somit schon besucht. Auf was ich nicht verzichten will, ist ein Besuch in Korea oder Japan.

So habe ich mich für folgende Route entschieden (Route 2):

Etappe 1 (Europa-Nordamerika-Australien-Neuseeland)
Rotterdam / Niederlande
Dünkirchen – Le Havre / Frankreich
New York – Savannah / USA
Panamakanal / Panama
Manzanillo / Panama
Papeete / Tahiti
Lautoka / Fiji-Inseln
Noumea / Neu-Kaledonien
Sydney – Melbourne / Australien
Napier – Tauranga / Neuseeland

Aufenthalt in Neuseeland

Etappe 2 (Neuseeland-Asien)
Tauranga / Neuseeland
Brisbane – Townsville / Australien
Keelung – Taichung – Kaohsiung / Taiwan
Shanghai / China
Pusan / Südkorea

Aufenthalt in Südkorea

Etappe 3 (Asien-Afrika-Europa)
Pusan / Korea
Shanghai – Ningbo – Yantian / China
Colombo / Sri Lanka
Suezkanal
Port Said – Alexandria / Ägypten
Mersin / Türkei
Koper / Slowenien
Triest / Italien
Rijeka / Kroatien
Venedig / Italien

Das sind nur drei Schiffe, also müsste die Reise machbar sein. Insgesamt wäre ich ca. 4 Monate auf den Containerschiffen und habe 2 Monate wenigstens Zeit zum Umsteigen. Die Route habe ich dann gleich in meine Karte übertragen.

Route 1 (rot) und Route 2 (blau)

So richtig war ich mit der Route 2 nicht zufrieden! Es müsste doch eine Kombination aus Route 1 und 2 geben. Erneut fing ich an alle Angebote im Internet zu prüfen. Ich fand abermals heraus, dass alle meine Wünsche nicht erfüllt werden können. Für die Route 3 habe ich mich entschieden Korea und Japan nicht zu besuchen. Es ist schade aber vielleicht fahre ich ja noch einmal separat dort hin? Außerdem liegen diese Länder oberhalb des Äquators, wo dann zu meiner Reisezeit Winter wäre. Warme Wintersachen mit auf die Reise zu nehmen wollte ich eigentlich nicht.

Aus meinen Überlegungen ist nun die folgende Route 3 entstanden:

Etappe 1 (Europa-Nordamerika-Australien-Neuseeland) 
Rotterdam / Niederlande
Dünkirchen – Le Havre / Frankreich
New York – Savannah / USA
Panamakanal / Panama 
Manzanillo / Panama
Papeete / Tahiti
Lautoka / Fiji-Inseln
Noumea / Neu-Kaledonien
Sydney – Melbourne / Australien
Napier – Tauranga / Neuseeland

Aufenthalt in Neuseeland

Etappe 2 (Neuseeland-Asien)
Tauranga – Marsden Point / Neuseeland
Sri Racha / Thailand
Jakarta / Indonesien
Port Kelang / Malaysia
Singapore / Singapore

Aufenthalt in Singapore

Etappe 3 (Asien-Afrika-Südamerika)
Singapore / Singapore
Hongkong / China
Durban / Südafrika
Santos / Brasilien
Buenos Aires / Argentinien
Montevideo / Uruguay
Paranagua / Managua – Sao Francisco do Sul – Santos / Brasilien

Aufenthalt in Brasilien

Etappe 4 (Südamerika-Afrika-Europa)
Santos - Sepetiba / Brasilien
Tanger / Marokko
Rotterdam / Niederlande
Tilbury / England
Hamburg / Deutschland


Das ist meine Route! Jetzt bin ich zufrieden und könnte gleich los fahren! Irgendwie dauert alles seine Zeit, auch die richtige Route für eine Weltreise zu finden.

Ich habe also in nächstes Jahr keinen Winter. Wenn ich da heute aus dem Fenster schaue, bin ich froh darüber.

Für meine Aufenthalte habe ich auch schon Ideen was ich machen werde. In Neuseeland angekommen, suche ich mir eine Musikschule und werde weiter an meiner „Gesangs- und Gitarrenkarriere“ arbeiten. In Asien könnte ich mir vorstellen, mich in ein nicht von Touristen überfülltes Gebiet zurück zuziehen. In Brasilien wird dann richtig Aktion sein! Dort habe ich einige Freunde, die ich schon viele Jahre nicht mehr gesehen habe. Langweilig wird es mir bei meinen Aufenthalten auch nicht.

Sobald ich die Gespräche mit den Ärzten geführt habe werde ich meine Agentur kontaktieren um meinen neuen Plan zu besprechen.
 

Jetzt wird es ernst...

…meine erste Route für die Weltreise wird geplant. 

Eine Woche nach meiner ersten Frachtschiffreise habe ich angefangen meine Weltreise zu planen. Als erstes habe ich mir eine große Weltkarte gekauft und diese dann in meinem Korridor ausgehangen. Die Karte soll mir bei den Planungen helfen, um zum Beispiel die Route zu visualisieren. Hatte mir erst überlegt die Route einzuzeichnen. Aber dann wird es schnell unübersichtlich, wenn ich mehrere Routen während der Planungen einzeichnen würde. So habe ich mir Stecknadeln und einen roten Faden besorgt. Mit den Stecknadeln habe ich dann meine Routen abgesteckt und mit dem Faden dann verbunden.

Vor meiner ersten Frachtschiffreise hatte ich noch den Plan mit einem Schiff um die Welt zu fahren. Jetzt hatte ich auf der Reise mich sehr oft mit dem 1. Ingenieur über meine Weltreise gesprochen. Er hat mir sehr viele Tipps gegeben, die ich jetzt in die Planungen mit einbeziehen werde.
  
Wie sollte nun meine Weltreise aussehen? 
  1. Ich möchte gern alle Kontinente auf der Reise kennenlernen.
  2. Gereist werden soll ausschließlich mit einem Schiff.
  3. Zug oder Auto kann bei Ausnahmen genutzt werden.

Das ist das Ergebnis meiner Routenplanung (Route 1):

Etappe 1 (Europa-Südamerika)
Hamburg / Deutschland
Antwerpen / Belgien
Le Havre / Frankreich
Santos / Brasilien

Aufenthalt in Brasilien

Etappe 2 (Südamerika-Afrika-Asien)
Santos – Rio de Janeiro / Brasilien
Kapstadt – Port Elizabeth / Südafrika
Singapore / Singapore

Aufenthalt in Singapore

Etappe 3 (Asien-Südsee-Neuseeland)
Singapore / Singapore
Lae / Papua Neu Guinea
Noumea / Neukaledonien
Lautoka – Suva / Fiji Inseln
Auckland / Neuseeland

Aufenthalt in Neuseeland

Etappe 4 (Neuseeland-Australien-Asien)
Wellington – Napier – Tauranga / Neuseeland
Brisbane / Australien
Singapore / Singapore

Aufenthalt in Singapore

Etappe 5 (Asien-Nordamerika-Europa)
Singapore / Singapore
Port Kelang / Malaysia
Laem Chabang / Thailand
Haiphong Roads – Hochiminh City / Vietnam
Hongkong / China
Kaohsiung / Taiwan
Shanghai – Dalian – Xingang – Qingdao / China
Masan / Korea
Kobe – Yokohama / Japan
Long Beach/San Diego / USA
Panamakanal / Panama
Puerto Moin / Costa Rica
Houston – New Orleans – Philadelphia / USA
Antwerpen / Belgien
Hamburg / Deutschland

Das ist schon eine Traumtour die ich mir da zusammen gestellt habe. Jedoch sind es 6 Monate allein auf den Schiffen. Ich werde also nur 14 Tage zwischen den Schiffen Zeit haben. Ob das funktioniert wird meine erste Anfrage bei der Agentur zeigen.

Ende Oktober habe ich eine E-Mail mit meinen Reiseplänen an eine Agentur die Frachtschiffreisen vermittelt geschickt. Innerhalb weniger Tage habe ich dann auch eine Rückmeldung bekommen. Die Route ist so möglich aber die Zeit wird knapp. 

Lt. der Agentur wird es schwierig, 5 Schiffe innerhalb von 8 Monaten, so wie ich die Route fahren will zu verbinden. Realistisch wären 3-4 Schiffe für meine Pläne. Des Weiteren haben wir über Anforderungen zum Thema Gesundheit gesprochen. Für fast alle Schiffe werden ärztliche Atteste benötigt. 

Wir haben uns dann so geeinigt, dass ich meine Route noch mal überplane. Weiterhin werde ich meine Ärzte kontaktieren und um über meine Pläne zu reden.

Meine erste Fahrt!

Nachdem ich die letzten Tage vor Abfahrt jeden Tag zum Zahnarzt musste, dort 2 Wurzelbehandlungen, eine Füllung erneuert habe und eine Zahnfleischentzündung behandelt wurden konnte es endlich los gehen. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal recht herzlich bei meiner Zahnärztin bedanken, Sie ist extra wegen mir am Samstag in ihre Praxis gekommen.

Schmerztabletten waren also das wichtigste in meinem Gepäck! Zum Glück brauchte ich keine einzige Tablette auf der Reise. So bin ich fast direkt aus der Zahnarztpraxis zum Bahnhof gefahren. Von Leipzig ging es dann mit dem Zug über Berlin nach Hamburg. In Hamburg hatte ich dann über 3 Stunden Aufenthalt, mitten in der Nacht. Das war nicht so schön, denn die Zeit wollte nicht vergehen und es wurde immer kälter. Dann ging es endlich weiter nach Kiel, wo ich gegen 5:00 Uhr ankam. Mit dem Taxi ging es dann zur Schleuse Holtenau, wo ich im Seemannsheim auf die Ankunft meines Schiffes warten sollte. 

Seemannsheim Schleuse Holtenau

An der Schleuse angekommen habe ich erfahren, dass mein Schiff erst gegen 14:00 Uhr ankommt. Meine erste Information war, dass es um 10:00 Uhr kommen sollte. Zum Glück konnte ich im Seemannsheim ein Zimmer nehmen und mich hinlegen. Schlafen konnte ich zwar nicht so gut aber wenigstens ein wenig ruhen. Es war relativ laut und ich war ziemlich aufgeregt.

Bin dann irgendwann gegen Mittag aus meinen Zimmer und habe mir Schiffe in der Schleuse angesehen. Dann endlich kam es, mein Schiff. Es war das größte Schiff, welches ich am heutigen Tage gesehen habe. Langsam und herrschaftlich fuhr die „Heinrich Ehler“ in die Schleuse. Die „Heinrich Ehler“ ist ein neues Containerschiff, Baujahr 2008 mit einer Länge von 167 Meter und Bereite von 26,80 Meter. Das Schiff kann knapp 1.500 Container transportieren. Ich stand da und habe den Mund nicht mehr zu bekommen, war überwältigt und sehr glücklich. 

Einfahrt der "Heinrich Ehler" in die Schleuse

Die "Heinrich Ehler" in der Schleuse

Jetzt durfte ich das Schiff betreten. Dort erwarteten mich ein paar Matrosen und er 3. Offizier. Er hat mich dann  in meine Kammer gebracht, wo ich erst mal warten musste. Es dauerte aber nicht lange als er mich abholte und zur Brücke führte. Dort lernte ich den 1. Ingenieur und den Kapitän kennen. Mittlerweile war das Schiff schon aus der Schleuse in den Nord-Ostsee-Kanal ausgelaufen. Ich war erneut überwältigt und fühlte mich einfach super gut. Die Strapazen der letzten Tage waren jetzt endgültig vergessen. 

Der 1. Ingenieur nahm mich gleich in seine Fittiche und erklärte mir die wichtigsten Verhaltensregeln an Bord. Danach habe ich erst mal den tollen Blick von der Brücke genossen. Die Brücke war ganz schön hoch und ich konnte weit sehen. Und es gab eine Menge zu sehen, der Kanal, die Schiffe die uns entgegen kamen und die Landschaft ringsherum. Nicht zu vergessen das Treiben auf dem Schiff. 


Blick von der Brücke auf den Kanal

Bevor ich dann meine Sachen auspacken konnte habe ich eine Sicherheitsunterweisung bekommen. Der 3. Offizier zeigte mir wo die Schwimmwesten und die Überlebensanzüge sind. Auch durfte ich mir die Rettungsboote ansehen. Jetzt wusste ich, wie ich mich im Notfall zu verhalten hätte. 

Nachdem ich dann meine Sachen ausgepackt hatte, habe ich den ersten Rundgang auf dem Schiff gemacht. Das würde jetzt für mein Zuhause für die nächsten 12 Tage sein. Erst einmal ein schräger Gedanke aber trotzdem schön! 

Irgendwie ging der Tag dann ganz schnell rum. Ich versuchte dann zu schlafen, da ich doch sehr müde war. Es war nicht leicht einzuschlafen, da das Schiff ganz schönen Lärm gemacht hat. Ich dachte, wenn das die ganze Reise so geht, dann werde ich 12 Tage und Nächte nicht schlafen. Der 1. Ingenieur beruhigte mich dann aber. Der Grund sei die langsame Fahrt des Schiffes im Kanal. Schließlich gelang es mir einzuschlafen. Ich habe dann so fest geschlafen, dass ich nicht bemerkte wie uns in der Schleuse ein Schiff hinten drauf gefahren ist. Das alles erfuhr ich am nächsten Morgen beim Frühstück. Nach dem Frühstück bin ich dann ganz schnell auf die Brücke gegangen um das weite Meer zu sehen.

Blick von der Brücke auf die Nordsee

An diesem Tag habe ich mich die meiste Zeit auf der Brücke aufgehalten. Ich konnte gar nicht genug Meer sehen. Und dann waren da noch die anderen Schiffe und Bohrinseln an denen wir laufend vorbei gefahren sind. Irgendwann in der Nacht sind wir in Zeebrugge angekommen. Ich bin erst ins Bett gegangen als das Schiff angelegt hatte. Alles wollte ich sehen! Obwohl ich wusste, dass sich das in den nächsten Tagen mehrmals wiederholt. Zum Glück wurde das Schiff in dieser Nacht nicht be- und entladen. Erst am nächsten Morgen wurde ich dann durch Lärm und Vibrationen geweckt, welche durch die Hafenarbeiten verursachten. Nach dem Frühstück habe ich mir das Treiben im Hafen von der Brücke angesehen.

Blick von der Brücke im Hafen von Zeebrugge

Das Schiff zu verlassen war in diesem Hafen nicht möglich, da wir nach dem Mittag wieder Richtung Rotterdam aufgebrochen sind. Beim Beladen hat einer der Kranfahrer unser Schiff und einen Container beschädigt. Noch ein Schaden am Schiff, soll das ein böses Ohmen sein? Nein es war einfach Pech!

Ausfahrt aus dem Hafen in Zeebrugge

Irgendwann nach dem Mittag sind wir dann Ausgelaufen. Am späten Abend wollten wir in Rotterdam ankommen. Jetzt hatte ich das Meer wieder! Ich konnte davon nicht genug bekommen, vor allem in den ersten Tagen. Vor Rotterdam mussten wir dann ankern. Der 1. Offizier hat mich für diese Manöver mit zum Bug genommen um mir alles zu zeigen. Nach ein paar Stunden ging es dann weiter. Wie wir in den Hafen eingelaufen sind, habe ich nicht mehr mitbekommen. Bin vorher eingeschlafen. Am nächsten Tag sah ich dann einen der modernsten und größten Containerhafen der Welt.

Containerhafen in Rotterdam

Die Container werden hier wie von magischer Hand zu den Verladekränen gefahren. Nur der Kran wird durch einen Menschen direkt bedient. 

In Rotterdam waren wir insgesamt 3 Tage. In dieser Zeit haben wir 6-mal den Platz gewechselt um be- und entladen zu werden. Der Hafen ist riesengroß. Allein von dem modernen Containerterminal in meeresnähe sind nochmal ca. 3 Stunden bis zum Hafen in stadtnähe gefahren. 

Im stadtnahen Hafen hatte ich dann auch die Gelegenheit an Land zu gehen. So nah war der Liegeplatz von der Innenstadt aber nicht entfernt. Ich entschloss mich mit dem Taxi zu fahren. Die Innenstadt von Rotterdam ist sehr modern, da sie im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Zum Glück war das Wetter schön und ich konnte einen ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt machen und mir viel ansehen.   

Rotterdam - im Vordergrund das Hafenmuseum

Später suchte ich mir ein schönes Restaurant um mich zu stärken. Außerdem war das eine Abwechslung zu Essen an Bord. Wobei ich sagen muss, dass das Essen auf dem Schiff gut war. Unser philippinischer Koch bereitete jeden Tag gutes deutsches Essen zu. 

Nach dem Essen habe ich dann noch einige Einkäufe für die Besatzung und mich gemacht. Dann ging es wieder zum Schiff. Ich war sehr froh als ich nach ca. 40 Minuten Taxifahrt „mein“ Schiff wiedergesehen habe.

Am nächsten Tag sind wir dann wieder in den meeresnahen Containerhafen gefahren. Dort sollten wir noch einmal be- und entladen werden bevor es wieder auf See ging.

Ein ganz Großer

Vorbei an den ganz großen Containerschiffen haben wir dann den Hafen in Richtung Finnland verlassen. Das sind also die großen Schiffe die um die Welt fahren. Sitze ich bald auf solch einem Schiff?

Über Nacht sind wir über die Nordsee in Richtung Deutschland gefahren. Durch den Nord-Ostsee-Kanal sollte es dann weiter zur Ostsee gegen. Am nächsten Morgen dann hatten wir die Einfahrt in die Elbe erreicht. Nachdem wir einige Zeit auf der Elbe gefahren sind kam die Schleuse immer näher. Bis wir endlich in die Schleuse fahren konnten mussten wir wiedermal warten.

Einfahrt in die Schleuse

Jetzt hatten wir wieder ca. 10 Stunden Kanalfahrt vor uns. Die Kanalfahrt hatte schon seinen Reitz. Vor allem die Landschaft war sehr schön anzusehen. Auch konnte ich vieles links und rechts des Kanals beobachten. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang erreichten wir gegen Mitternacht die Schleuse Holtenau in Kiel. Dort bin ich vor 6 Tagen auf das Schiff gekommen. Jetzt war es das Tor zur Ostsee.

Sonnenuntergang im Nord-Ostsee-Kanal

Nachdem wir die Schleuse verlassen haben bin ich in meine Kammer zum schlafen gegangen. Am nächsten Morgen erwachte ich dann und sah das erste Mal die Ostsee von einem Containerschiff und nicht vom Strand wie sonst immer. Nach dem Frühstück bin ich erst mal auf die Brücke um zu erfahren wo wir jetzt etwa sind. Wir waren etwa auf der Höhe der Insel Rügen, was ich dann auch im Radar sah.

Der Blick auf die Ostsee aus meiner Kammer

Die nächsten 24 Stunden werden wir jetzt auf See sein. Das ist meine längste Zeit auf See bei dieser Reise. So hatte ich eine Menge Zeit zum Lesen, Gitarre spielen und einfach so aufs Meer sehen. Der Tag auf See ging sehr schnell rum. Das Wetter war sehr schön und ich war somit viel draußen. Auch hat mir der 1. Ingenieur das Schiff weiter gezeigt. Wir haben uns die Schweröltanks in der Mitte des Schiffs angesehen und dann noch die Räumlichkeiten im Bereich des Bugs. Da ist eine Menge an Technik die ein Schiff so braucht unterbracht. 

Frei Fahrt vorraus - Blick vom Bug auf die wunderschöne Ostsee

Am nächsten Morgen konnte ich mir dann Zeit lassen mit dem Frühstück. Die finnische Küste sollten wir erst gegen Mittag erreichen. Den ganzen Vormittag habe ich auf der Brücke verbracht. Die meiste Zeit hatte ich gelesen und sonst auf Meer gesehen. Ich wollte doch die Einfahrt in den Hafen von Helsinki nicht verpassen. Dann war es soweit, die Küste Finnlands kam immer näher.

Lotse ist an Bord

Jetzt kam auch der Lotse an Bord. Das war immer ein Zeichen, dass wir in 1 bis 2 Stunden unser Ziel erreichen sollten. Langsam näherten wir uns der Küste. Ich konnte dann schnell feststellen, dass es hier ganz anders aussieht. Hier gab es viele kleine Inseln auf einen felsigen Untergrund. Ich war fasziniert, vor allem da die Sonne diese kleinen Inseln wunderschön beleuchtete. 

Küste vor Helsinki


Mir kam die Fahrt in den Hafen wie eine Ewigkeit vor. Vielleicht weil es so viel Interessantes zu sehen gab. Irgendwann erreichten wir dann doch den Hafen von Helsinki. Es ist ein ganz neuer Hafen. Früher sind die Containerschiffe noch in Stadtnähe abgefertigt wurden. Jetzt gibt es einen modernen kleinen Hafen der wunderschön zwischen den Inseln der Küste gelegen ist.

Im Vordergrung der Hafen von Helsinki

Da ich Finnland bisher noch nie besucht hatte wollte ich auf jeden Fall an Land gehen. Der 1. Ingenieur wollte mich begleiten. Er kannte im Hafen eine Frau aus der Seemannsmission, die uns die Stadt zeigen wollte. Somit hatten wir eine einheimische Fremdenführerin, die vor allem noch perfekt deutsch sprach. So wurden wir vom Schiff mit dem Auto abgeholt. Eine einzelne Fahrt mit dem Taxi nur aus dem Hafen hätte jedem von uns 20 € gekostet. Wir wurden dann zur U-Bahn Stadion gebracht, von dort aus wir dann in die Innenstadt gefahren sind. Leider waren wir so spät in Helsinki angekommen, dass uns noch wenig Zeit blieb, die Stadt im hellen zu sehen.

Helsinki

Es wurde dann ganz schnell dunkel und wir entschlossen uns unsere freundliche Begleitung zum Essen einzuladen. Ich hatte immer gehört, dass es so teuer sei in den nordischen Ländern  vor allem das Essen und Trinken. War dann aber angenehm überrascht. Nach dem Essen wurden wir bis zur U-Bahn Station begleitet, von der aus wir dann wieder Richtung Hafen gefahren sind. 

Am nächsten Mittag sind wir in Richtung Kotka ausgelaufen. Kotka ist eine kleine finnische Hafenstadt die in der Nähe der russischen Grenze liegt. Die Fahrt dort hin sollte etwa 6 Stunden dauern. Zu meiner Freude hatten wir auch ein wenig Seegang. Die Wellen waren 3 bis 4 Meter hoch, was aber unserem Schiff nichts ausgemacht hatte. Des Weiteren konnte ich sehen, ob ich Seekrank werde. Zum Glück hatte ich keinerlei Probleme. Ich bin also seetauglich?

Die Hafeneinfahrt von Kotka sah fast genau so aus wie die von Helsinki. Der Hafen war im Vergleich zu den bisher bereisten der Kleinste. Er lag ziemlich weit weg von der Stadt und deshalb entschloss ich mich an Bord zu bleiben. Am Abend habe ich einen kleinen Spaziergang im Hafen unternommen. Es war ein wunderschöner Sonnenuntergang an diesem Abend. 

Hafen von Kotka bei Sonnenuntergang

Unser Schiff


Nach einer ruhigen Nacht wurden am Morgen noch einige Container auf unser Schiff geladen. Dann legten wir in Richtung Nord-Ostsee-Kanal ab. Ich sah das Ende meiner Reise immer näher kommen. Das machte mich sehr traurig. Aber immerhin waren es noch fast eineinhalb Tage bis ich das Schiff verlassen müsste. Der restliche Tag verging wie im Flug. Irgendwann waren wir wieder auf der Ostsee unterwegs.

Blick auf die Ostsee von der Brücke

Am nächsten Tag den wir komplett auf See waren gab es viel Zeit. Der Morgen war nicht so toll vom Wetter aber zum Glück wurde es gegen Mittag richtig gut. Ich verbrachte viel Zeit draußen, speziell am Bug des Schiffes. Hier genoss ich noch mal die Schönheit und die Weite es Meeres und träumte von meiner Weltreise. Der Tag ging sehr schnell herum und irgendwann musste ich schweren Herzens meine Sachen packen.

Der letzte Sonnenuntergang an Bord

Dann ging alles ganz schnell. Das Schiff hat gegen 3:00 Uhr den Lotsen für die Schleuseneinfahrt aufgenommen und war gegen 4:00 Uhr an der Schleuse in Kiel. Ich verabschiedete mich von allen und ging mit schweren Herzen von Bord!
Meine sieben Sachen!

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen an Bord für die Gastfreundschaft bedanken, vor allem beim 1. Ingenieur. Ich freue mich ihn bald wieder zu sehen!

Von der Schleuse ging es wieder mit dem Taxi zum Bahnhof. Dann in den Zug nach Hamburg und weiter nach Leipzig.

Diese Reise hat mir gezeigt, dass ich meine Pläne einer Weltreise unbedingt verwirklichen soll. Ich hatte viel Zeit über alles nachzudenken. So entschloss ich mich meinen Traum zu verwirklichen mit allen Konsequenzen für mich.  

Es war wieder in Warnemünde

Zwischenzeitlich hatten sich meine Pläne geändert. Ja mein Plan eine  Weltreise mit dem Containerschiff zu machen lag erst mal auf Eis. Meine Freundin die ich mittlerweile kennengelernt hatte wollte und konnte nicht mit mir auf Reisen gehen. Zuerst dachte ich noch dann mache ich die Reise halt allein. Nach und nach fand ich dann den Gedanken für mehrere Monate von meiner Freundin getrennt zu sein auch nicht mehr so gut. So habe ich meinen Plan geändert, wollte zwar die Auszeit nehmen aber in Europa etwas unternehmen.

Im August 2010 stand ich wieder in Warnemünde am Strand. Ich sah die Schiffe auf die Ostsee fahren und das Fernweh hat mich erneut gepackt. Nach langen überlegen habe ich mich entschlossen kurzfristig eine Reise mit einem Containerschiff zu machen. Diese Reise sollte keine Probefahrt sein, sondern ich wollte zu mindestens einmal mit so einem großen Schiff reisen.

Ich wälzte also die Angebote im Netz und fand dann eine Reise die von Rostock über Amsterdam nach Finnland gehen sollte. Ich beantrage kurzerhand Urlaub und buchte die Reise. Die Reise sollte am 05.10. von Rostock los gehen und 12 Tage später wieder dort enden. Doch dann bekam ich eine schlechte Nachricht. Die Route wurde kurzfristig eingestellt. War das ein schlechtes Zeichen, für meine Pläne?

Die Agentur bei der ich die Reise gebucht hatte, machte mir ein paar alternative Angebote. Schließlich fand ich eine Reiseroute und welche mich ansprach. Es sollte von Kiel über Zeebrugge, Rotterdam nach Helsinki und Kotka in Finnland gehen. Das Schiff war sehr neu und sollte mit einem deutschen Kapitän besetzt sein. Problem war nur ich verpasste durch diese Reise die jährliche Proberaumparty der Band „Kings of Nothing“. Als ich mich dann damit abgefunden hatte, buchte ich diese Reise.

Das war also der nächste Anlauf für eine Probefahrt?

Die erste Probefahrt

Um auf die große Reise zu gehen wollte ich erst mal testen ob die Seefahrt mir Spaß machen würde. Vielmehr wollte ich herausfinden ob ich Seekrank werde oder nicht. Denn die Seekrankheit würde meine Pläne zerstören, da ich auf keinen Fall mehrere Monate auf See sein möchte mit dauerender Übelkeit. Da musste eine Testfahrt her!

Also habe ich im Google "Frachtschiffreisen" eingegeben. Es kamen eine Reihe von Agenturen in heraus die solche Reisen anbieten. Doch ich wusste erst mal gar nicht wohin ich meine erste Reise machen sollte. Sollte es erst mal die Ostsee und Nordsee sein, das Mittelmeer oder sogar der Atlantik. Nach langen hin und her habe ich meine erstes Reiseziel gefunden, Brasilien!

Gesucht und gefunden, gebucht! Die Buchung habe ich 2009 im Juli als gemacht. Es sollte im November von Barcelona über Las Palmas in 12 Tagen nach Salvador de Bahia gehen. Ein Traum! In Salvador wohnen liebe Freunde von mir die ich aus meiner Zeit im Ruhrgebiet kenne. Ich wollte sie besuchen und dann weiter nach Sao Paulo fliegen. Dort wohnen ebenfalls einige gute Freunde von mir. Von Sao Paulo war dann der Rückflug nach Hause geplant. 

Leider ist aus der Reise damals nicht geworden. Meine Ärztin hat mir davon abgeraten, da mein Immunsystem noch nicht stabil genug wäre um so eine Reise zu machen. Ich habe die Reise aber nicht gleich storniert, musste lange überlegen. Im September war es dann soweit, ich habe storniert. Das fiel mir überhaupt nicht leicht.

Wie geht das überhaupt...

Vielleicht fragt sich der Eine oder der Andere wie ich einfach so mehrere Monate reisen kann. Ja ich habe das große Glück in einem Unternehmen zu arbeiten, das seinen Mitarbeitern eine Möglichkeit bietet mal für mehrere Monate eine Auszeit zu nehmen. Wir können bis zu sechs Monate einen soganten Subbatical nehmen. 

Als ich das hörte begann ich meine Pläne zu schmieden. Das war letztes Jahr im Sommer. Mein Chef hat zugestimmt, also ab zur Peronalabteilung unterschreiben und fertig!

http://de.wikipedia.org/wiki/Sabbatical 

Heiko der Erste!

Mein erster Post auf meinen Blog. Ich hoffe das ich hier interessante Berichte und Geschichten veröffentlichen werde. Aber das wichtigste ist das meine Gesundheit es mir erlaubt meine Reise durchzuführen.

Also in der nächsten Wochen werde ich mich neben der Routenplanungen auch noch mit meinen Ärzten unterhalten müssen. Ich selbst fühle mich fit und gesund um die Reise anzutreten. Dazu müsst ihr wissen, dass ich vor über 2 Jahren eine schwere Krankheit hatte, die bis heute noch nicht ganz weg ist. 

Diese Geschichte ist mit ein Grund das ich diese Reise machen möchte, denn das Leben hat sich mit der damaligen Diagnose für mich verändert. Es schöner und intensiver geworden! 

Und dann war da der Besuch eines Containerschiffes 2003 im Hambuger Hafen. Ich hatte damals das große Glück ein Containerschiff zu besuchen und erfahren dürfen das dort auch Passagiere mitfahren können. Da ist mein Wunsch entstanden einmal mit solch einem Schiff um die Welt zu reisen. 


Als ich dann im Juni 2009 in Warnemünde war und gesehen habe wie die Schiffe auf das Meer gefahren sind, war für mich klar was ich jetzt tun muss.


Meine Weltreise!