Donnerstag, 6. Oktober 2011

Der Weg zum indischen Ozean

Sonntag, der 02.10.2011
Schon der Morgen war so warm, dass ich es nicht lange auf einer kleinen Bank ausgehalten habe. Überhaupt war ich heute die meiste Zeit auf meiner Kammer. Es ist mittlerweile so warm geworden, da muss ich mich erst mal daran gewöhnen. Auf dem roten Meer sind kaum Schiffe zu sehen, wir haben das Meer für uns.

Auf meinem alltäglichen Rundgang konnte ich schon die ersten Vorbereitungen für die Fahrt durch das Piratengebiet entdecken. Am Geländer im hinteren Bereich des Schiffes wurden Feuerlöschspritzen befestigt und Schläuche verlegt. Sonst hat sich an Deck nicht viel verändert.
Heute ist das traditionelle Grillfest auf dem Programm. Jeweils einmal auf der Hin- und Rückfahrt findet ein solches Fest statt. Hier wird auch ein Schwein gegrillt und die ganze Mannschaft sitzt zusammen. 

Unser Schutz gegen die Piraten

Montag, der 03.10.2011
Jetzt sind wir den 2 Tag auf dem roten Meer und heute Nacht werden wir den Golf von Aden erreichen. Schon vor dem Golf von Aden geht bereits das Piratengebiet los. Seit mehreren Tagen wird immer mal wieder über die Piraten geredet. Die Sicherheitsvorkehrungen sind bereits alle getroffen wurden. Viel helfen wird das nicht aber warum soll man sich so einfach ergeben. 

Das wichtigste ist jetzt Ausschau zu halten und wenn ein verdächtiges Schiff aufkreuzt einen großen Bogen um das Schiff fahren. Die Piraten kommen mit sogenannten Mutterschiffen, die in der Regel langsamer sind als unser Schiff. Erst wenn sie dicht genug an den Schiffen sind setzen sie die kleinen schnellen Boote ein. Ich hoffe, dass wir das nicht erleben werden! Zuhause hatte ich noch ein wenig über die Piraten gespottet aber jetzt ist es Realität und ich habe allergrößten Respekt vor der ganzen Situation. Das ist absolut kein Spaß hier und ein bisschen habe ich auch Angst.

Unser natürliches Schutzschild, die See ist derzeit ausgefallen. Das rote Meer ist so glatt, wie eine Autobahn. Derzeit wünsche ich mir sogar Seegang, denn dann sind wir nicht ganz so von den Piraten bedroht.

Das rote Meer ist heute so friedlich

Dienstag, der 04.10.2011
Als ich heute Morgen aufgestanden bin waren wir bereits auf dem Golf von Aden. Zum Glück gab es keinen Zwischenfall in dieser Nacht. Das Wasser sieht heute Morgen ganz anders aus als gestern im roten Meer. Irgendwie ist das schöne helle blau verschwunden und das Wasser sieht jetzt eher grünlich aus. Aber immer noch ist es glatt wie eine Autobahn, will uns auch heute nicht beschützen. 

Auch heute sind die Piraten wieder Thema auf dem Schiff. Zum Glück haben wir heute Morgen den internationalen geschützten Seeweg erreicht. Hier sollen sich Kriegsschiffe aufhalten, die in der Not helfen. Gesehen habe ich aber keins. An diesem geschützten Seeweg sammeln sich hauptsächlich die langsamen Schiffe und fahren gemeinsam durch das Gebiet.

In der Mitte der Karte ist der interlational geschützte Bereich

Immer wieder kommt hier an Bord die Diskussion auf ob es besser wäre mit bewaffneten Sicherheitsleuten hier durch zu fahren. Ich würde das begrüßen! Mit Sicherheit würde ich mich da besser fühlen! Denn die Angst fährt heute auch noch mit. Ich finde die Seeleute sind hier schon großen Gefahren ausgesetzt, sich unbewaffnet den Piraten regelrecht ergeben zu müssen. Ich hoff doch sehr, dass hier in der nächsten Zeit eine Lösung gefunden wird!

Gestern Abend habe ich meine wertvollen Sachen in der Kammer versteckt und für den Notfall meinen kleinen Rucksack gepackt. Drin sind zwei Flaschen Wasser, meine wichtigste Papiere, Kreditkarten und Geld. Denn sollten wir angegriffen werden, müssen wir in einen Schutzraum gehen. Bis die Piraten uns dort finden, kann bereits Hilfe da sein die uns dann befreien. 

Die Temperaturen haben sich heute etwas verbessert. Wir haben nicht mehr ganz so heißes Wetter. Das liegt auch da dran, dass wir jetzt Richtung indischen Ozean fahren. Das rote Meer ist nicht so breit und links und rechts ist Wüste. Selbst das Wasser hatte zwischenzeitlich 32°C, unglaublich wenn ich das nicht selbst gesehen hätte.

Mittwoch, der 05.10.20011
Kurz nach dem Frühstück haben wir die geschützte Zone verlassen. Das Ende diese Zone ist auch ungefähr der Übergang vom Golf von Aden zur arabischen See. Erst nach der arabischen See werden wir den indischen Ozean erreichen. Das wird etwa in 2 Tagen sein.

Zu meiner Freunde sind die Temperaturen ein wenig gesunken. Selbst die Wassertemperatur beträgt heute nur noch 27 Grad. Fünf Grad weniger als gestern. So war der Tag von den Temperaturen sehr angenehm. 

Auch heute war ich oft auf der Brücke um mit Ausschau zu halten und mir die Zeit zu vertreiben. Ich nutze die Zeit auch, um mein Englisch zu verbessern. Die Offiziere sprechen alle kein Deutsch und so unterhalten wir uns in Englisch. Das ist eine gute Vorbereitung für meinen ersten Aufenthalt an Land.

Heute werden wir zum dritten Mal die Uhr eine Stunde vor stellen. Das machen wir jetzt aller zwei Tage, bis wir 6 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland haben. Damit das alle an Bord mitbekommen, wird vor der Messe jedes Mal ein Schild auf gehangen. Ich stelle meistens nach dem Abendessen die Uhr direkt um, damit ich das nicht vergesse. 

So bekommen wir die Infos an Bord

Donnerstag, der 06.10.2011
Der letzte Tag auf der arabischen See ist fast vorbei. Morgen werden wir den indischen Ozean erreichen, obgleich die arabische See ein Teil des großen indischen Ozeans ist. Der Tag selber war unspektakulär, weit und breit sind keine Schiffe zu sehen. Ich fühle mich als wäre wir allein auf dieser Welt. Ab und zu kommen aus dem Nichts ein paar Regenschauer, die uns eine kurze Abkühlung bescheren. 

Regen am Himmel

Und so sieht der Regen im Radar aus

Die See ist mal glatt wir eine Autobahn. Manchmal gibt es ein paar Schlaglöcher, die unser Schiff ein wenig zum schaukeln bringen. Auch heute will uns die See nicht vor den Piraten beschützen. Mit dem Erreichen des indischen Ozeans verlassen wir dann auch das Piratengebiet und wir dürfen dann wieder an Deck gehen.

Samstag, 1. Oktober 2011

Suezkanal

Gegen 2:00 Uhr Nachts bin ich heute wach geworden. Es war alles noch so ruhig um mich aber ein Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass wir bereits in der Einfahrt zum Suezkanal sind. So habe ich mich schnell fertig gemacht und bin erst mal zur Brücke. Dort herrschte wildes Treiben und so habe ich mich wieder aus dem Staub gemacht, um mir alles von draußen anzusehen. Außer viele Lichter und eine Straße gab es nicht viel zu sehen. Es musste erst hell werden damit ich richtig was sehen konnte. So konnte ich den Sand nicht sehen aber ganz genau riechen.

Als es dann langsam hell wurde, so gegen halb fünf schnappte ich mir meine Kamera um die Sonnenaufgang zu fotografieren. Mit einmal wurde es heller und heller und ich konnte schon mehr sehen. Die westliche Seite des Kanals war sehr gewohnt und grün. Die andere Seite sah aus als ob hier die Wüste beginnt, nur Sand. Umso heller es wurde desto mehr habe ich an Land sehen können. Es ist erstaunlich, dass es links und rechts vom Kanal so viele militärische Einrichtungen gibt. Man kann sagen aller paar hundert Meter waren Wachhäuser mit Posten drin. Manch Einer beobachtete uns ganz genau.

Sonnenaufgang im Suezkanal
Zur Frühstückszeit sind wir am Bittersee angekommen. Ein großer See mitten im Suezkanal. Dort mussten wir ankern, um auf die Schiffe zu warten die aus dem Süden kamen. Erst wenn alle durch sind konnten wir weiterfahren. Das war dann gegen Mittag, als wir den Anker heben konnten. Mittlerweile wurde es so warm, dass ich mich öfters mal auf die Brücke begeben habe. Auf der Brücke ging die Post ab! Der Lotze spielte seine klassische Musik über sein Notebook ab und telefonierte dauert mit irgendwelchen Leuten, die mit Sicherheit nicht mit seiner Arbeit zu tun hatten. Zwischendurch schrie er immer mal wieder den Kurs dem Matrosen zu, der am Steuer stand. Lange konnte ich es trotz klimatisierter Luft nicht aushalten, das Spektakel des Herren ging mir auf die Nerven. 

Reede auf dem Bittersee mittem im Suezkanal

Unsere Verfolger auf dem Kanal

So suchte ich mir draußen ein schattiges Plätzchen. Ich fand das alles so faszinierend, mit so einem großen Schiff durch die Wüste zu fahren. Und dann noch die ganzen militärischen Einrichtungen, die zum einen interessant aber auch etwas bedrohlich auf mich wirkten. So gegen 16:00 Uhr hatten wir das Ende des Kanals erreicht. Das rote Meer lag vor uns. Mit der Stadt Suez verabschiedete sich der Kanal von uns. Hier konnten wir noch mal eine paar interessante Gebäude sehen, unter anderen eine Moschee die gleich neben dem Kanal stand.

Ende des Kanals in Suez

Der derzeit interessanteste Tag meine endete dann mit einem sehr schönen Sonnenuntergang. Die verschwand hinter den Bergen an die im Horizont zu sehen waren.

Unterwegs auf dem Mittelmeer

Montag, der 26.09.2011
Am späten Nachmittag haben wir Gibraltar erreicht. Wie der Kapitän schon sagte würde die Sicht nicht sehr gut sein. Naja ein bisschen vom Festland konnte wir sehen. Auf der einen Seite war Afrika und der anderen Seite Europa. Schon ein tolles Gefühl da durch zu fahren. Wir waren so fasziniert, dass wir unser alltägliches Kaffetrinken fast verpasst hatten.   

Der Affenfelsen bei Gibraltar im Nebel


Später dann gab es eine kleine Party, denn unser Kapitän hatte heute Geburtstag. Das war auch gleich ein guter Anlass unsere gefangen Fische zu essen. Selbst gefangener und geräucherter Fisch schmeckt besonders gut. Als kleines Geburtstagständchen habe ich meine Gitarre rausgeholt und ein paar Lieder gesungen. Das kam ganz gut an, denn die Meisten haben bestimmt nicht gemerkt, dass ich mich des Öfteren verspielt hatte. Vor allem weil die Geräusche der Maschine deutlich im Hintergrund zu hören waren. 

Mein Geburtstagsständchen für den Kapitän
Das Geburtstagsessen!

Dienstag, der 27.09.2011   
Nach der Party die schon etwas länger ging konnte ich die erste Nacht so richtig gut schlafen. Die Matratzen sind unglaublich hart, da muss ich mich erst daran gewöhnen. Der Tag selber war ziemlich ruhig an Bord. Der eine oder andere Partygast von gestern Abend hat es etwas langsamer angehen lassen.

Mitterlweile sind die Temperaturen schon fast bei der 30°C Marke angelangt. Der Himmel war heute meistens Wolkenfrei, sodass ich meine Sonnencreme das erste Mal benutzen musste. Wie jeden Tag habe ich meine Runden ums Schiff und auf die Brücke gemacht. Heute sind wenige Schiffe zu sehen und ab und zu konnte ich die afrikanische Küste im Nebel sehen. Auch verirrten sich manchmal ein paar Tümmler in schiffnähe. Die Delfine die ich gesehen habe, sind keine sondern es sind Tümmler. 

Am Abend war ich dann an baden. Ich habe den Pool mit Meereswasser ausprobiert. Das Wasser ist über 30°C warm, etwa so wie unsere Außentemperatur.

Mittwoch, der 28.09.2011
Der Tag ging heute wieder wie in Flug rum. Am Morgen war ich im Maschinenraum und habe mir alles zeigen lassen. Das ist schon gewaltig was in so einem Schiff steckt. Alles ist hier ein paar Nummer größer als im letzten Schiff. Mit großem Respekt vor den Leuten die da unten arbeiten habe ich den Maschinenraum verlassen. Dort herrscht eine Wärme und laut ist es obendrein auch noch.

Der Kolben und ich

Blick auf die Maschine

Den Nachmittag habe ich vorn am Bug verbracht. Mittlerweile weiß ich wo dort die Liegestühle zu finden sind, was den Platz noch schöner macht. Bei guter Musik und ausreichend Sonnenschein war das das ganze Gegenteil von heute Morgen.

Donnerstag, der 29.09.2011
Die See hat mich heute Morgen sanft aber bestimmend wach gerüttelt. Wir fahren derzeit durch ein Schlechtwettergebiet. Wie jeden Morgen saß ich heute mit meiner letzten Tasse Kaffee auf meinem Bänkchen vor meiner Kammer. Nur heute musste ich die Tasse mal festhalten. 

Das Mittelmehr mal ganz anders
Gegen Nachmittag hat sich die See wieder beruhigt. Wir hatte das Schlechtwettergebiet hinter uns gelassen. Zwischenzeitlich hatte wir Windstärke 8, was das Schiff ganz schön zum schaukeln gebracht hatte. Mir macht das zum Glück nichts aus.

So habe ich die meiste Zeit auf meiner Kammer verbracht, denn zum Bug gehen wäre viel zu riskant gewesen. Trotzdem ist auch dieser Tag wieder schnell vergangen. Morgen werden wir dann den Suezkanal erreichen, nach einigen Tagen mal wieder Land sehen!

Freitag, der 30.09.2011
Der letzte Tag auf dem Mittelmeer ist angebrochen, ich sitze wie jetzt jeden Morgen auf meinem Bänkchen. Ich denke erst ich sehe nicht richtig, um das Schiff herum fliegen jede Mengen Schwalben. Jetzt ist der Suezkanal nicht mehr weit. Denn die Schwalben erfreuen sich an den vielen kleinen Fliegen die mittelweile um uns kreisen.

Jetzt wird es von Tag zu Tag immer wärmer und ich habe das Gefühl, dass es auch schon etwas tropisch ist. Unglaublich wie sich alles hier verändert innerhalb von wenigen Stunden. 

Am späten Nachmittag haben wir geankert. Das Schauspiel habe ich mir vorn mal angesehen und Fotos gemacht. Wir warten jetzt mit einer Menge anderer Schiff, dass wir durch den Kanal fahren können. Hier wir immer in eine Richtung gefahren, so müssen wir warten bis alle aus dem Kanal raus sind. Etwa gegen Mitternacht soll es los gehen. Wenn ich wach werde schaue ich mir das an.

Den späten Nachmittag haben wir mit erfolglosen angeln verbracht. Die Fische hier mögen uns nicht aber dafür die Kanalfliegen, die uns schließlich zum aufgeben gezwungen haben.

Kanalfliegen die uns geärgert haben